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Digitalisierung – Pflegende werden überwacht

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Als Arbeitserleichterung und Fortschritt in Sachen Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner verkauft, entpuppt sich die digitale Erfassung von Arbeitsabläufen als Druckmittel gegenüber den Pflegenden. Aktive Unia-Mitglieder haben die Entwicklungen der digitalisierten Pflege an der Oltner Tagung am 11. Februar thematisiert.

Immer mehr Institutionen rüsten sich im Bereich Pflege und Betreuung mit Systemen zur digitalen Verarbeitung ihrer Arbeitsprozesse aus. Die Rufanlagen funktionieren per Funk. Bewohnerinnen und Bewohner, respektive Patientin und  Patient, werden mit Sender und Empfänger am Handgelenk (Glocke) ausgestattet. Die Pflegenden müssen interaktive Badges (Namensschild, Karte oder Anhänger) tragen.

Sämtliche Abläufe erfasst
Ruft Fr. Meier, wird ihr genauer Aufenthaltsort erfasst und den Pflegenden mitgeteilt. Ebenso werden Aufenthaltsort und Bewegungsprofile der Pflegenden erfasst. Pflegetätigkeiten werden im Voraus minutengenau budgetiert  
(Bedarfserfassung und Pflegeplanung) und die effektiv erbrachten Leistungen vom Personal laufend dokumentiert.
Die Logistik im Haus (Essens-, Material- und Medikamentenbestellungen) wird auch digital erfasst.

Überwachung findet statt
Schon einige Pflegende wurden zum Chef zitiert: „Wieso haben Sie die letzten 2 Tage bei Fr. Müller jeweils 7 Minuten zum Waschen gebraucht obwohl wir 5 Minuten budgetiert haben?“ Oder: „In der Nachtwache brauchen Sie zu lange um auf die Glocken zu reagieren. Fr. Meier musste so und so lange warten, Frau Müller so und so lange. Sind Sie evtl. mit ihre Arbeit überfordert?“

Datenschutz und Mitwirkungsrecht missachtet
Kaum werden Mitarbeitende über die Auswirkungen der neuen Systeme auf ihren Alltag informiert, geschweige denn gefragt. Wie ihre Daten, und die der Bewohnerinnen und Bewohner, erhoben, verwendet und weitergegeben werden ist nicht transparent.

Unia erkennt Handlungsbedarf
An der Unia-Tagung am Samstag, 11. Februar in Olten war die Digitalisierung in der Arbeitswelt Thema. Auch Unia Mitglieder aus der Pflege waren mit einem Stand und Inputs an der Tagung aktiv.   

3. Pflege- und Betreuungsjugendgipfel

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Gemeinsam diskutieren, planen und handeln.

Pflege und Betreuung befinden sich im Wandel: Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens und des Betreuungsbereichs führt dazu, dass Stress und Zeitdruck und damit auch Krankheitsausfälle und Berufsausstiege zunehmen. Knapp 45% der Pflegenden verlassen vorzeitig ihren Beruf. In der grossen Unia-Umfrage unter Auszubildenden aus Pflege und Betreuung gab die Hälfte der Befragten an, sich nicht vorstellen zu können, in zehn Jahren noch auf ihrem Beruf zu arbeiten. Es ist an uns, dies zu ändern! Denn wir wissen: Gute Pflege und Betreuung brauchen gute Arbeitsbedingungen. Dies erreichen wir nur Gemeinsam – denn wir sind nicht nur die Zukunft, sondern auch Teil der Gegenwart!

Wir laden dich deshalb herzlich zum 3. Gipfel für Pflege- und Betreuungs(fach)- personen unter 30 Jahren oder in Ausbildung ein. 

Melde dich gleich hier an!

Unia Jugend, Unia Sektor Tertiär, Koordinationskomitee Pflege- und Betreuungsjugend

Programm

10.30 Kaffee und Gipfeli
 
11.00 Eröffnung und Begrüssung
 
11.15 Ein Rückblick auf die vergangenen Pflege- und Betreuungsjugend-Gipfel
 
11.45 Ökonomisierung der Pflege
- Referat von Adrian Durtschi, Director UNICARE
- Unsere Resolution als Antwort auf die Ökonomisierung
 
13.00 Pause und Mittagessen
 
14.00 Workshop
- Wie organisiere ich meine Kolleg*innen an der Schule oder am Arbeitsplatz
 
15.30 Zusammentragen der Ergebnisse
 
16.00 Gemeinsame Schlussaktion
 

Spitex akzeptiert Unia als Verhandlungspartnerin

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Erfolg für die Unia: Der Vorstand der Spitex Region Willisau lässt sie am Verhandlungstisch teilnehmen. Weitere Gespräche mit den Mitarbeitenden sind geplant.

Es waren happige Vorwürfe an die Spitex Region Willisau, welche die Gewerkschaft Unia Sektion Luzern in einer letzten Woche versandten Medienmitteilung brauchten: Von «unhaltbaren Zuständen», «einem Klima der Angst» und «massivem Druck», der auf die Spitex-Angestellten ausgeübt werde, schrieb die  Organisation in ihrem Schreiben. Auslöser der Wirren war die Kündigung der Stellvertretenden Geschäftsleiterin und Leiterin Dienste, mit der sich die Mitarbeiter solidarisierten. Es folgte eine Petition, die mittlerweile mehr als 1300 Personen Unterschrieben haben, wie die Gewerkschaft in ihrer neuesten Medienmitteilung vom Wochenende festhält.

Coach leitete Informationsabend

Um die Wogen zu glätten und Ruhe in den Betrieb zu bringen, lud der Vorstand der Spitex Region Willisau die Mitarbeitenden am Freitag zu einem Informationsabend ein. Geleitet wurde die rund zweistündige Veranstaltung von Hubert Bienz, dem Geschäftsführer der Beratungsfirma «Mehrsicht» in Rothenburg. Er verfüge über langjährige Erfahrung als Krisenmanager und haben auch andere Spitex-Vereine schon beraten, teilt die Spitex Region Willisau in ihrer Medienmitteilung mit.

Keine weiteren Kündigungen

Vor Ort waren, neben dem Vorstand und den Mitarbeitenden, überraschenderweise auch Vertreter der Gewerkschaft. Dies, obwohl Beat Bisang, Präsident des Vorstandes Spitex Region Willisau, noch am Dienstag gegenüber dem WB verlauten liess: «Die Gewerkschaft ist nicht unser Partner.» Die Unia zeigte sich auf WB-Anfrage zufrieden über den Verlauf des Abends. Deren Regionalsekretär, Giuseppe Reo, sprach von einem «errungenen Teilsieg». Vor allem aus zwei Gründen, wie er näher ausführte. «Weil wir künftig als Verhandlungspartner mit am Tisch sitzen und der Vorstand der Spitex Region Willisau angekündigt hat, keine weiteren Kündigungen auszusprechen.» Zudem habe der Vorstand eingesehen, dass in der Vergangenheit Fehler passiert seien. «Nun ist er gewillt, mit einem beigezogenen Coach eine Lösung für die Mitarbeitenden zu finden.»

Weitere Gespräche geplant

Beat Bisang räumte auf Anfrage ein, dass in den letzten Jahren die Kommunikation  zwischen Mitarbeitenden und Vorstand «nicht immer optimal lief». Die Informationsveranstaltung sei ein erster Startschuss gewesen, um die Wogen zu glätten. «Wir haben Bereitschaft signalisiert, für die anstehenden Probleme Lösungen zu finden», sagte er. Weitere Gespräche seien geplant und sollen noch vor Weihnachten stattfinden. Dabei wird auch die Gewerkschaft Unia an den Verhandlungen teilnehmen, wie sie in ihrem Schreiben festhält. An der Veranstaltung am Freitagabend nahm auch die kritisierte Geschäftsführerin teil. Diese erhält weiterhin die Unterstützung des Spitex-Vorstandes, wie Beat Bisang gegenüber dem «Regionaljournal Zentralschweiz» festhielt.