Es braucht mehr Personal

Medienmitteilung der Unia Berner Oberland

Thun, 24. August 2015

PflegerInnen beschliessen Aktivitäten gegen Personalmangel

Aktive Unia Mitglieder aus der Pflege diskutierten am Samstag, 22. August die drängendsten Probleme in Pflegeheimen. Es zeigt sich, dass der Kostendruck erschreckend oft zu Burnouts und einer hohen Fluktuation führt. Gründe dafür liegen in der Pflegefinanzierung und im Spardruck. Die Versammlung beschloss, dass sich die Unia dem Thema vermehrt annimmt.

Mehr Informationen hier: gutepflege.ch/mehrpersonal

 

An einer ausserordentlichen Versammlung der Unia-Gruppe Gesundheit & Soziales vom Samstag, 22. August 2015 diskutierten aktive Unia Mitglieder die drängendsten Probleme in der Pflege und Betreuung. Aufgrund des Kostendrucks nehmen Stress, Stellenabbau und damit die Krankheitsrate und die Personalfluktuation in Alters- und Pflegeheimen in erschreckendem Ausmass zu. Dies führt zu einem gravierenden Personalmangel. „Wir sind immer weniger Pflegende, müssen aber immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner pflegen“ sagte Michèle W., Pflegehelferin. Auch die Urabstimmung, welche die Unia in der ersten Jahreshälfte in diversen Heimen in der Region durchführte, bestätigte diese Einschätzung. 

Wandel in der Finanzierung führt zu Personalmangel

Der sich zuspitzende Personalmangel ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Die demographische Entwicklung führt zu einem erhöhten Bedarf an Pflegeplätzen und damit auch -personal. Gleichzeitig versuchen aber Bund, Kantone und Krankenkassen die Kosten zu optimieren. Das zwingt die Heime dazu die Kosten zu senken und beim Personal zu sparen. Michèle W.: „Vakante Stellen werden in vielen Heimen aus Kostengründen nicht mehr besetzt. Die Arbeitsbelastung ist enorm angestiegen und für unsere BewohnerInnen haben wir fast keine Zeit mehr. Der Stellenschlüssel des Kantons ist viel zu tief angesetzt.“ Zudem haben Bund und Kantone es verpasst, genügend Personal auszubilden. Es entscheiden sich noch immer zu wenig Jugendliche, einen Pflegeberuf zu erlernen oder zu studieren.

Personalmangel führt zu Berufsausstiegen und Burnouts

Der Kostendruck führt zu einer Rationalisierung der Arbeit im Umgang mit den BewohnerInnen. Anstelle einer umfassenden Pflege und Betreuung wird die Arbeit auf einzelne, zeitbasierte Handgriffe reduziert. Der gestiegene Druck aufgrund des Personalmangels und der Rationalisierung führt überproportional häufig zu Burnouts, viele Pflegekräfte verlassen ihren Beruf vorzeitig. Dadurch spitzt sich die Situation weiter zu. So gehören „Einspringen“ aus der Freizeit, Überstunden und noch unregelmässigere Arbeitszeiten zur Normalität. Die Unia hat Kenntnis von Betrieben, bei welchen die Krankentaggeldversicherungen bereits intervenierten und Programme definierten, um die Krankenstände zu verringern.

Massnahmen gefordert

Die Unia Berner Oberland wird in der nächsten Zeit intensiv in den Betrieben der Region präsent sein und den Kontakt mit den Beschäftigten suchen. Denn um die Versorgung der alternden Bevölkerung zu gewährleisten ist eine dringende Kurskorrektur angesagt. Samuel Burri, Gewerkschaftssekretär Gesundheit und Soziales bei der Unia: „Es darf nicht sein, dass engagierte Mitarbeitende regelrecht verheizt werden. Gefordert sind die Krankenkassen, der Kanton Bern und auch die Arbeitgeber. Dafür setzen wir uns vehement ein. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern und weiteren Beschäftigten werden wir Lösungsansätze diskutieren und diese mit Druck auf verschiedenen Ebenen durchsetzen.“