Unia bedauert Ablehnung einer wirksamen Heimaufsicht

Die Gewerkschaft Unia bedauert die Ablehnung von wirksamen Kontrollen bei Alters- und Pflegeheimen durch den Grossen Rat des Kantons Bern. Verschiedene Skandale in der Vergangenheit zeigen, dass der Kostendruck die Situation für Bewohner/innen und Angestellte laufend verschärft. Die Unia wird sich weiterhin mit Vehemenz für die Beschäftigten in der Langzeitpflege, für wirksame Regulierungen und einen allgemeinverbindlichen GAV einsetzen.

 

Gestern hat der Grosse Rat des Kantons Bern die Motion Schöni-Affolter (glp) für eine wirksame Aufsicht in den Alters- und Pflegeheimen abgelehnt. Seit der Liberalisierung des Pflegeheimwesens und der schweizweiten Einführung der wettbewerbsorientierten neuen Pflegefinanzierung nehmen die Missstände in den Heimen zu. Immer mehr gewinnorientierte Unternehmen stossen in diesen Wachstumsmarkt vor, was den Kostendruck erhöht.

 

Ungenügende Kontrollen

Im September 2014 deckte die SonntagsZeitung auf, wie die Heime Kosten einsparen: Sie teilen die Bewohner/innen zu hohen Pflegestufen zu, belegen mehr Betten als erlaubt oder unterschreiten den kantonal definierten Stellenschlüssel und sparen so auf Kosten des Personals. Darunter leiden neben den Angestellten auch die pflegebedürftigen Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Heime.

Die Kontrollen des Kantons sind ungenügend. Dass es auch anders geht, zeigt die vorbildliche Regelung im Kanton Waadt. Dort führt ein unabhängiges, interdisziplinäres und gut besetztes Team regelmässig unangekündigte Kontrollen durch.

 

Unia fordert wirksamen GAV

Die Unia ist enttäuscht über den Entscheid des Grossen Rates. Als mitgliederstärkste Gewerkschaft in der Langzeitpflege im Kanton Bern ist sie oft mit Verstössen gegen die kantonalen Bestimmungen und gegen das Arbeitsgesetz konfrontiert. Diese Verstösse und die schlechten Arbeitsbedingungen führen in den Heimen zu einer überdurchschnittlichen Personalfluktuation.

„Regelmässige Kontrollen und ein allgemeinverbindlicher Gesamtarbeitsvertrag können hier Abhilfe schaffen“, sagt Adrian Durtschi, regionaler Projektleiter Gesundheit der Unia. Die Verweigerungshaltung von Politik und Heimen bestärkt die Unia darin, sich weiterhin mit grösster Vehemenz für die Beschäftigten in der Langzeitpflege einzusetzen, um wirksame Regulierungen zu erreichen. Eine nächste Gelegenheit dazu bieten zwei Vorstösse zur Heimaufsicht von Natalie Imboden (Grüne), welche demnächst im Grossen Rat behandelt werden.