Medienmitteilung: Gute Gesamtarbeitsverträge jetzt

Im Alters- und Pflegeheimwesen wird auf skandalöse Weise beim Personal gespart. Dies hat eine Recherche der gestrigen „Sonntagszeitung“ eindrücklich gezeigt. Verbände und Heime verweigern sich konsequent einer sozialpartnerschaftlichen Lösung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft Unia, die mehrere tausend Mitglieder aus der Langzeitpflege vertritt, fordert die privaten gewinnorientierten wie gemeinnützigen Arbeitgeber auf, endlich Verhandlungen über gute Gesamtarbeitsverträge aufzunehmen.

Medienmitteilung der Gewerkschaft Unia

Bern, 29. September 2014

 

Reportage der „Sonntagszeitung“ zum Alters- und Pflegeheimwesen 

Jetzt müssen gute Arbeitsbedingungen und Gesamtarbeitsverträge her

In ihrer Reportage “Millionengewinne auf Kosten der Betagten“ vom 28. September zeigt die „Sonntagszeitung“ auf, wie Alters- und Pflegeheime „bescheissen“. Dabei kommen vor allem drei Tricks zur Anwendung: die zu hohe (Pflege-) Einstufung von Betagten, die Überbelegung von Heimen und das Sparen auf Kosten des Personals. Die Feststellungen der „Sonntagszeitung“ decken sich mit den Erfahrungen der Gewerkschaft Unia, welche mehrere tausend Mitglieder der Langzeitpflege vertritt.

Die Heime machen auf Kosten der Bewohnenden und des Personals teils immense Gewinne. Ermöglicht haben dies die Liberalisierung des Marktes und die oftmals laschen Kontrollen der Kantone. Dieser Skandal muss ein Ende haben. Die Sparmassnahmen beim Personal führen zu einer erhöhten Fluktuation und einer drastischen Verschärfung des Personalmangels. In Verbindung mit Schichtarbeit und einer 7x24x52-Bereitschaft führt dies in nicht wenigen Fällen zu gesundheitlichen Schäden beim Personal – welche wiederum zu Lasten der Öffentlichkeit gehen.

Für allgemeinverbindliche Gesamtarbeitsverträge

Die Unia fordert von den Heimen, Verbänden curaviva und senesuisse und den zuständigen Behörden:

  • Verhandlungen über allgemeinverbindliche Gesamtarbeitsverträge, welche insbesondere griffige Regeln zur Vermeidung von Überstunden und zur Regulierung der Arbeitszeit enthalten.
  • eine Offenlegung der Personalfluktuation und Krankheitsausfälle.
  • verschärfte Kontrollen, ob die Personalschlüssel eingehalten werden, wie dies beispielsweise im Kanton Waadt bereits vollzogen wird.

Der Verband Senesuisse plädiert gar für weitere Liberalisierungen auf Kosten des Personals und spricht sich öffentlich gegen Gesamtarbeitsverträge aus. Aber auch die privaten, nicht-gewinnorientierten Anbieter müssen sich zu fairen Gesamtarbeitsverträgen bekennen. Hier sind insbesondere die grossen Player, wie beispielsweise die Pro Senectute als Betreiberin mehrerer Heime gefordert, voranzuschreiten und sozialpartnerschaftliche Gespräche aufzunehmen.