Skandalumwittertes Pflegeunternehmen am Lachenkanal

Nach Bekanntwerden des Projekts "Buena Vista" der Losinger Marazzi AG fordert das Initiativkomitee der "Thuner Altersheiminitiative: Wohnen im Alter" den Thuner Stadtrat auf, dem Projekt eine Absage zu erteilen. Dies insbesondere, weil am Projekt auch die Senevita AG beteiligt ist. Die Senevita AG gehört zum Verband wirtschaftlich unabhängiger Alters- und Pflegeeinrichtungen Senesuisse und hat seit Gründung immer wieder mit schlechten Arbeitsbedingungen negativ auf sich aufmerksam gemacht. Die Senevita AG und der Verband Senesuisse wehren sich auch vehement gegen einen Gesamtarbeitsvertrag.

Medienmitteilung Gewerkschaftsbund Thun, 15. August 2014

Wenn es nach dem Willen des Gemeinderates von Thun geht, soll die Senevita AG an bester Lage in Thun ein Altersheim und ein Hotel unter einem Dach führen. Dass es sich dabei um ein skandalumwittertes  profitorientiertes Pflegeunternehmen handelt, wird dabei verschwiegen. Das Initiativkomitee der Thuner „Altersheim-Initiative: Wohnen im Alter“ fordert den Stadtrat auf, diesem Ansinnen eine Abfuhr zu erteilen. Stattdessen muss als Mittel der demokratischen Kontrolle die Initiative des Thuner Gewerkschaftsbundes unterstützt werden.

Letzte Woche informierte der Thuner Gemeinderat in einer Medienmitteilung über die überarbeiteten Baupläne der Losinger Marazzi AG in Sachen Hotel am Lachenkanal unter dem Namen „buena vista“. Statt Wohnungen ist nebst dem Hotelbetrieb neu mit rund 90 Zimmern ein Pflegeheim vorgesehen. Investoren dafür sind zwar noch nicht gefunden, doch ist jetzt schon klar, dass der gesamte Betrieb von der Firma Senevita AG geführt werden soll. Das Initiativkomitee hält das Konzept mit dem schö­nen Namen aber alles andere als für schöne Aussichten. Vielmehr ist es sehr problematisch. Die Se­nevita AG gehört zum französischen börsenkotierten Konzern Orpea und ist mit der Losinger Marazzi AG in Person von Werner Müller, ehemaliger Generaldirektor der Marazzi Generalunternehmung AG, auch personell verbandelt.

 

Schlechte Arbeitsbedingungen, mangelhafte Pflege und kein demokratisches Verständnis

Die Senevita AG ist seit der Gründung immer wieder negativ aufgefallen. Das profitorientierte Pflegeunternehmen stand we­gen respektloser Behandlung von Personal, Zwangsmedikation und ungenügender Betreuung von Pflegebedürftigen sowie schlechten Arbeitsbedingungen in der Kritik. Die Führung der Senevita AG gibt auch offen zu, dass sie Profite erzielen kann, nur weil sie sich der demokratischen Kontrolle zu entziehen ver­mag. Philipp M. Zemp, Gründer und ehemaliger Geschäftsführer, sagt in einem Interview für die Bank Valiant: „Als Privatunterneh­men müssen wir nicht demokratische Prozesse durchgehen“. Damit sei man „agiler“. Die Senevita AG wehrt sich auch vehe­ment gegen verbindliche Regelungen der Arbeitsbedingungen in einem Gesamtarbeitsvertrag.

Darüber hinaus hat die Senevita AG auch keine Erfahrungen in der Führung eines Hotelbetriebes. Dies lässt darauf schliessen, dass nach und nach der Hotelbetrieb zu Gunsten eines Luxus-Pflegeheims für Gutsituierte aufgegeben wird. Diese Befürchtung teilt auch der Thuner Gemeinderat in seiner Risikoanalyse.

 

Mehr demokratische Kontrolle durch die Altersheim-Initiative

Das Initiativkomitee begrüsst grundsätzlich die Schaffung neuer Pflegeplätze. Diese müssen aber für alle zugänglich sein und nicht nur für eine finanzstarke Elite. Des Weiteren müssen sie demokratisch kontrolliert werden können. Denn nur mit demokra­tischer Kontrolle können gute Arbeitsbedingungen und genügend Pflegeplätze für alle Pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren durchgesetzt werden. Die Erfahrungen aus der Privatisierung der WIA-Wohnen im Alter AG haben aufgezeigt, dass der Verlust demokratischer Kontrolle zu Missmana­gement führt. Aus diesem Grund wurde vom Gewerkschaftsbund Thun auch die „Thuner Altersheim-Initiative: Wohnen im Alter“ lanciert und mit 1'790 gültigen Unterschriften eingereicht. Dies zeigt klar das Bedürfnis der Thuner Bevölke­rung nach genügend Pflegeplätzen unter demokratischer Kontrolle.

Das Initiativkomitee erwartet vom Thuner Stadtrat eine klare Ablehnung des Projekts „buena vista“ der Losinger Marazzi AG. Thun braucht kein Pflegeheim an bester Lage, welches nur von finanzkräftigen Seniorinnen und Senioren genutzt werden kann. Die Sicherstellung adäquater Wohnangebote darf nicht ausschliesslich dem Markt überlassen werden. Für mehr demokratische Kontrolle muss die „Thuner Altersheim-Initiative: Wohnen im Alter“ unterstützt werden.

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