dedica-GAV dumpt Arbeitsbedingungen in Pflege

Medienmitteilung der Gewerkschaft Unia Region Berner Oberland

Pro Senectute Niedersimmental hintergeht Mitarbeiterinnen

Dumping-GAV statt echter Sozialpartnerschaft

Bereits im Sommer 2013 machte die Gewerkschaft Unia auf die massiven Probleme im Alters- und Pflegeheim Lindenmatte in Erlenbach BE aufmerksam. Nach einem erfolgversprechenden Verhandlungsbeginn zwischen Pro Senectute Niedersimmental als Trägerin des Heims und der Unia, bricht die Pro Senectute die Verhandlungen einseitig ab. Die Pro Senectute strebt eine Unterstellung unter den bestehenden dedica-GAV an. Dies obwohl die dazugehörenden Verbände im Gegensatz zur Unia nicht vom Personal mandatiert sind. Der dedica-GAV legitimiert die bereits sehr tiefen Branchenstandards noch zusätzlich. Er muss in seiner aktuellen Form als Dumping-GAV angesehen werden.

Im Januar 2013 wandten sich Angestellte des Alters- und Pflegeheimes Lindenmatte in Erlenbach BE an die Gewerkschaft Unia. Eine Mehrheit mandatierte die Unia schriftlich, Verhandlungen mit dem Arbeitgeber Pro Senectute Niedersimmental zu führen. Die hohe Arbeitsbelastung, Einschüchterungsversuche, Nötigung zu Vertragsabänderungen mit schlechteren Bedingungen und die fehlenden Mitsprachemöglichkeiten sind einige der bestehenden Probleme. „Natürlich sprachen wir die Missstände an, doch wir wurden vom Vorstand schlichtweg nicht ernst genommen,“ kommentierte Barbara Merz, Pflegehelferin in der Lindenmatte. Erst um einem von der Unia angestrengten Gerichtsverfahren zu entgehen, sagte der Vorstand gegenüber der Schlichtungsbehörde Berner Oberland verbindlich zu, mit der Unia Verhandlungen über einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) zu führen. 

Pro Senectute lässt Verhandlungen platzen

Während zweier Termine im Januar und Februar 2014 hat eine Verhandlungsdelegation, die mehrheitlich aus Angestellten der Lindenmatte bestand, mit dem Vorstand der Pro Senectute über Eckwerte für einen GAV diskutiert. „Die Pro Senectute Niedersimmental und die Unia konnten sich dabei so annähern, dass erfolgversprechende Verhandlungen möglich schienen“ erwähnt Chris Kelley, zuständiger Gewerkschaftssekretär der Unia.

Mit einem Schreiben vom 5. März 2014 teilt Pro Senectute Niedersimmental der Unia mit, dass sie die Verhandlungen nicht mehr weiterführen werde. Sie befindet sich mit den Berufsverbänden SBK und VPOD in Verhandlung für eine Unterstellung unter den dedica-GAV – dies offensichtlich insgeheim seit längerem. Dazu Anne Kipfer, diplomierte Pflegefachfrau und Angestellte der Lindenmatte an der Betriebsgruppenversammlung: „Der Ausschluss unserer Gewerkschaft ist ein Schlag ins Gesicht des Personals. Wir wollen zusammen mit der Unia über unsere eigenen Arbeitsbedingungen verhandeln und nicht von Verbänden vertreten werden, die dem Arbeitgeber genehm sind.“

Der dedica-GAV ist keine Lösung

Die Angestellten der Lindenmatte und die Unia erachten das Vorgehen der Pro Senectute Niedersimmental als nicht Ziel führend für eine echte Lösung der Probleme im Heim. Der dedica-GAV geht nicht über die bereits tiefen Branchenstandards hinaus: Arbeitszeit und Zulagen dürfen die Betriebe weiterhin selbst festlegen, er enthält unter anderem keine Bestimmungen zu Mitspracherechten von Angestellten und legt keine verbindlichen Mindestlöhne fest. „In seiner jetzigen Form ist der dedica-GAV ein Dumping-GAV,“ so Adrian Durtschi, Teamleiter Gesundheit und Soziales. Die Unia ist ganz klar die grösste Gewerkschaft im Betrieb und ist von mehr als der Hälfte der Belegschaft mandatiert, Verhandlungen zu führen. Ferner ist das Vorgehen der Pro Senectute rechtlich nicht korrekt: Gemäss mehreren Gerichtsentscheiden ist ein solcher Ausschluss unzulässig. Die Unia prüft daher die Einleitung rechtlicher Schritte.