WIA Stifter ohne Mitsprache

Thuner Altersheim-Initiative dringender nötig denn je
Die Stiftung WIA Thun – Betreiberin der ehemaligen städtischen Altersheime – möchte, dass ihre Stifterinnen ihr Recht, den Stiftungsrat zu wählen, aufgeben. Damit verliert insbesondere die Stadt Thun ihre letzte Möglichkeit der Einflussnahme und Kontrolle über das Angebot an Heimplätzen für pflegebedürftige Thuner Seniorinnen und Senioren. Das Vorgehen der WIA zeigt erneut, dass die „Thuner Altersheim- Initiative“ dringend nötig ist, denn sie fordert ein Mindestmass an öffentlicher Kontrolle. Um Klarheit bezüglich des Vorgehens des Gemeinderates zu erfahren, wird an der heutigen Stadtratssitzung eine entsprechende Interpellation eingereicht.

Am 20. November fragte die WIA, welche in Thun vier Alters- und Pflegeheime betreibt, ihre Stifterinnen an, auf ihr Wahlrecht zu verzichten. Künftig solle sich der Stiftungsrat selbst wählen und ergänzen. Die WIA steht seit ihrer Privatisierung 2007 wegen Missmanagement und schlechten Arbeitsbedingungen in den Schlagzeilen. 2011 intervenierte die Stadt Thun als Stifterin und ehemalige Betreiberin und besetzte einen Sitz im damaligen Verwaltungsrat. Dieser Stabilitätsfaktor ist mit der Anfrage der WIA erneut bedroht. Um Klarheit bezüglich des künftigen Vorgehens des Gemeinderates zu erhalten, reicht an der heutigen Stadtratssitzung Alice Kropf, Stadträtin SP und Co-Präsidentin des Initiativkomitees der Thuner Altersheim-Initiative: Wohnen im Alter eine Interpellation ein.

Thuner Altersheiminitiative gegen Missstände in der Langzeitpflege

Aufgrund der WIA-internen Konflikte und des Arbeitskonfliktes im April 2013 äusserten einige Stifterinnen den Wunsch, aus der Stiftung zurückzutreten. Insbesondere missfielen ihnen die fehlende Transparenz und die mangelnden Möglichkeiten der Einflussnahme. Durch die Aufgabe des Wahlrechts verlieren die Stifterinnen ihre letzte Einfluss- und Kontrollmöglichkeit.

Vor dem Hintergrund der Missstände in der WIA wurde im Sommer 2013 die Thuner Altersheim-Initiative: Wohnen im Alter des Gewerkschaftsbundes lanciert. Die Initiative gibt der Stadt Thun die gesetzliche Möglichkeit, Altersheime zu betreiben, um so die Grundversorgung an Heimbetten für pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren sicherzustellen.

Die Stadt Thun muss Einfluss nehmen können
Es liegt letztendlich im Aufgabenbereich und in der Verantwortung der Öffentlichkeit, dass ein entsprechendes Bettenangebot vorhanden ist. Insbesondere, weil der freie Markt in der Langzeitpflege nicht funktioniert. Dies bedingt aber auch, dass die Öffentlichkeit ein Mitspracherecht besitzt, vor allem bei massgeblichen Anbietern wie der WIA. Die Altersheim Initiative schafft dafür die rechtlichen Voraussetzungen.

Ein allfälliger Verzicht der Stifterinnen auf das Wahlrecht bei der WIA würde erneut eine intransparente und gefährliche Situation schaffen, besonders für die Einwohnergemeinde Thun als Stifterin. Zwar behielte die Stadt ihren Sitz im Stiftungsrat, durch den Verzicht auf das Wahlrecht würde sie aber dennoch einen massgeblichen Einflussfaktor verlieren. Denn der städtische Delegierte im Stiftungsrat, Herr Jürg Rolli, ist nicht institutionell an die Stadt angebunden und eher privatwirtschaftlich abgestützt. Er ist Mitinhaber des regional marktführenden Anbieters von Revisionsdienstleistungen für Gesundheitsinstitutionen und sitzt in mehreren Verwaltungsräten ein. So läuft die Einwohnergemeinde in Gefahr, ihre Einflussmöglichkeiten zu verlieren. Sollte die WIA erneut in Schieflage geraten, hätte dies für die pflegebedürftigen Thuner Seniorinnen und Senioren unabsehbare Folgen. Die „Thuner Altersheim-Initiative: Wohnen im Alter“ ist nötiger denn je. Denn gegen Marktversagen und Missmanagement hilft nur demokratische Kontrolle.

Infobox: Die Thuner Altersheim-Initiative: Wohnen im Alter
Die Thuner Altersheim-Initiative bezweckt die Schaffung rechtlicher Grundlagen, damit die Stadt Thun wieder Alters- und Pflegeheime betreiben kann. Damit können die Qualität und das Angebot an Plätzen in Heimen gesichert werden. Denn die sichere Unterbringung und Versorgung seiner pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren liegt in der Verantwortung der Öffentlichkeit. Die Stadt muss bei Missmanagement und Fehlern eingreifen können. Initiant der Initiative ist der Gewerkschaftsbund Thun. Mehr Informationen: http://www.altersheimeretten.ch/