Betreuer/innen im Privathaushalt brauchen einen GAV!

Am 23. August 2013 fand die 2. Branchenkonferenz „Betreuung im Privathaushalt“ der Gewerkschaft Unia statt. Rund 20 Delegierte, die in privaten Haushalten Seniorinnen und Senioren betreuen, diskutierten über Möglichkeiten, die oft äusserst prekären Arbeits- und Lohnbedingungen zu verbessern. Dabei betonten sie die Bedeutung eines allgemein-verbindlichen Gesamtarbeitsvertrags für die Deutschschweiz. Entsprechende Verhandlungen sind im Gang.

Ein GAV im Bereich Betreuung im Privathaushalt soll insbesondere folgende Verbesserungen festhalten:

  • geregelte Arbeits- und Ruhezeiten
  • höhere Entschädigungen
  • ein Verbot von Arbeit auf Abruf
  • bezahlte Weiterbildungstage

Die Gewerkschaft Unia verhandelt derzeit mit dem Verband "Zu Hause leben" über einen GAV für die Deutschschweiz. Die Verhandlungen werden voraussichtlich Ende Jahr abgeschlossen sein.

Solidarität mit polnischen Betreuerinnen und Betreuern

Die Branchenkonferenz empfing zudem eine Delegation von polnischen Betreuerinnen und Betreuern aus dem Tessin. Die Arbeitsbedingungen dieser Frauen und Männer, die als sogenannte „live ins“ in Haushalten oft eine 24h-Präsenz sicherstellen müssen, zeichnen sich durch besondere Härte und fehlenden Respekt aus. Ihre ständige Bereitschaft wird gar nicht oder miserabel abgegolten. Hinzu kommt die ständige Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und damit der Existenzgrundlage. Diese unhaltbare Situation hat bereits zu Selbstmorden geführt.

Die Delegierten der Unia-Branchenkonferenz betonten, dass eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung grundsätzlich nicht einer Person alleine zugemutet werden darf. Die arbeitsrechtlichen Bestimmungen müssen auch in diesem Bereich eingehalten werden. In einer Resolution unterstützen sie ihre polnischen Kolleginnen und Kollegen im Kampf für einen allgemeingültigen GAV für den Kanton Tessin, der ihre Arbeitsbedingungen grundlegend verbessern soll.