Warnstreik des Pflegepersonals

Nach dem Wortbruch ihrer Leitung sind die Beschäftigten des Internats der Nathalie-Stiftung in Gümligen (BE) heute Nachmittag 14 Uhr in einen Warnstreik getreten. Sie verleihen damit der Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck. Zuvor hatte die Geschäftsleitung ihre schriftliche Zusage zur Aushandlung eines Gesamtarbeitsvertrages zurückgezogen.

Im Internat der Nathalie-Stiftung in Boll hängt der Haussegen seit längerer Zeit schief. Die Arbeitsbedingungen in der privaten Berner Einrichtung für behinderte Kinder sind unbefriedigend. In den letzten Jahren veranlasste die Geschäftsleitung für viele Mitarbeitende Lohnrückstufungen, strich fünf Kompensationstage, die als Ersatz für Nacht- und Wochenendzulagen dienen, schaffte bezahlte Pausen ab und benachteiligte die Beschäftigten mit einer fehlerhaften Arbeitszeiterfassung.

Umgekehrt müssen die Angestellten unbezahlt an obligatorischen Sitzungen teilnehmen und ständig verfügbar sein, um allfällige Fehler im Dienstplan oder Ausfälle zu kompensieren. Hinzu kommen ein schlechtes Arbeitsklima, zunehmender Stress durch die Übernahme zusätzlicher Arbeiten sowie fehlende Mitsprache: So fehlen den Beschäftigten des Internats Mitwirkungsmöglichkeiten wie sie das Mitwirkungsgesetz vorsieht.

All diese Probleme führen insgesamt zu einem schlechten Arbeitsklima.

Um diese Probleme zu beheben forderte die Belegschaft des Internats in Boll letzten Herbst von der Geschäftsleitung einen Betriebs-GAV. Am 21. Dezember lenkten die Verantwortlichen ein: Sie unterschrieben gemeinsam mit Vertretern des Personals sowie der Gewerkschaft Unia eine Vereinbarung über die Aushandlung eines GAV bis spätestens 30. April 2012 (vgl. Beilage). Gemäss Vereinbarung soll der Vertrag unter anderem Löhne und Zulagen, Arbeitszeiten und Schichtmodell sowie Gesundheitsschutz und Mitbestimmungsrechte regeln. Das Personal erhält während der Dauer der Verhandlungen und sechs Monate darüber hinaus  einen Kündigungsschutz.

Warnstreik als Antwort auf Wortbruch des Managements

Doch im Januar wollte die Leitung von dieser Vereinbarung plötzlich nichts mehr wissen. Auch ein Brief des Personals an den Stiftungsrat konnte daran nichts mehr ändern: ein GAV kommt für den Stiftungsrat nicht mehr in Frage. Dieser unverständliche Wortbruch hat nun das Fass zum Überlaufen gebracht: Das Personal sah sich heute Nachmittag gezwungen, mit einem befristeten Warnstreik auf ihre berechtigten Anliegen aufmerksam zu machen. Die Beschäftigten pochen gemeinsam mit der Unia auf die Einhaltung der GAV-Vereinbarung: Sie fordern Stiftungsrat und Geschäftsleitung zu konstruktiven Gesprächen über einen solchen Gesamtarbeitsvertrag auf und laden für den kommenden Mittwoch zu entsprechenden Gesprächen ein.